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Unsere 6 Trümpfe gegen den Klimakollaps

Was jede/r Einzelne tun kann

Die Zeit zur Rettung des Weltklimas wird knapp! Innerhalb der nächsten 8 Jahre haben wir noch die Chance, eine menschheitsbedrohende Entwicklung des Klimas zu verhindern. Aber nur, wenn wirklich alle, von der Politik über die Wirtschaft bis hin zu jeder/m Einzelnen, daran aktiv mitwirken. Für uns bedeutet dies, die persönliche CO2-Bilanz von derzeit rund 10 Tonnen CO2 pro Jahr auf ca. 2,5 Tonnen bis zum Jahr 2030 zu senken. Das ist mit einigen Anstrengungen machbar, sogar ohne Einbuße an Lebensqualität, wie nachfolgend gezeigt wird.

Sie kennen vielleicht die Geschichte: Ein Lehrer stellt ein großes leeres Gurkenglas auf den Tisch, daneben sechs große Steine, einen Haufen mittlerer Steine sowie einen Eimer Sand. Er zeigt den Schülern, wie alles ins Glas hineinpasst, wenn nur die richtige Reihenfolge gewählt wird: zuerst die sechs großen Steine, dann die mittleren, er rüttelt das Glas, damit diese die Freiräume zwischen den großen Steinen füllen, und schließlich den Sand.

Ähnlich müssen wir in unserem Bemühen vorgehen, den drohenden Klimakollaps abzuwenden. Zuerst also die sechs großen Steine anfassen, mit denen wir relativ rasch die größte CO2- Entlastung erreichen. Es sind dies jene Trümpfe, die jede/r von uns gegen den Klimawandel zur Verfügung hat. Sie tragen dazu bei, dass wir unser persönliches Klimaziel von 2,5 Tonnen CO2 im Jahr 2030 erreichen können und damit einen ganz, ganz wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Lebensgrundlagen auch für unsere Kinder und künftige Generationen leisten.

Bei den nachfolgend dargestellten Trümpfen ist sowohl die Reihenfolge als auch das Jahr (gerechnet ab heute) wichtig, bis zu dem sie umgesetzt sein sollten.

Trumpf 1: Umstellung auf Ökostrom, also auf Strom, der ausschließlich aus Wasser, Sonne und Wind gewonnen wird und damit die Basisenergie der Zukunft ist. Dazu gibt es unterschiedliche Möglichkeiten des Strombezugs: eigene PV-Anlage, Erneuerbare Energiegemeinschaft, regionales Netzwerk (efriends.at), regionale Genossenschaft (ourpower.com) oder zertifizierter ÖkostromAnbieter. Im Durchschnitt bedeutet dies - 0,5 to CO2 pro Jahr und Person.

Trumpf 2: Einstieg in Elektromobilität (insbes. Umstellung von Benzin-/Diesel-Auto auf elektrisches Auto). Mit einem ständig wachsenden Anteil, derzeit 27%, an allen CO2-Emissionen ist der Verkehr eine der dringlichsten Klima-Baustellen. Die persönliche Verkehrswende reicht von einer stärkeren Nutzung des öffentlichen Verkehrs und weiterer Mobilitätsbausteine (zu Fuß gehen, Scooter, Fahrrad, E-Bike, Sharing) bis zur Umstellung auf ein E-Auto. Eine neue Möglichkeit zum Umstieg auf ein Elektro-Auto, oft sogar ohne Wartezeit, bietet das Auto-Abo von www.insta-drive.com. Der Einstieg in die E-Mobilität bewirkt - 2,0 to CO2 pro Person.

Trumpf 3: Heizen mit CO2-freien Energieträgern (insbes. Umstellung von Öl- und Gasheizungen auf mit Ökostrom betriebene Wärmepumpe). Wärmepumpen haben neben der CO2-Einsparung noch einen weiteren großen Vorteil: sie können in den immer wärmer werdenden Sommer auch als Kühlung verwendet werden. Biomasse gilt zwar als klimaneutral, ihre Verbrennung setzt aber die in den vergangenen 60 Jahren im Holz gespeicherte CO2-Menge jetzt frei und verursacht somit zusätzliches CO2. Ersparnis: - 2.0 to CO2 pro Person.

Trumpf 4: Verzicht auf Flugreisen. Das ist der konsequente Beitrag gegen den drohenden Klimakollaps. Wer nicht gleich oder nicht gänzlich auf Flugreisen verzichten kann, sollte diese zumindest stark einschränken (zB keine inner-europäischen Flüge mehr) und den dadurch bedingten CO2-Ausstoß kompensieren (dazu empfiehlt sich das kirchliche CO2-Kompensationssystem von www.klima-kollekte.at, das die CO2-Einsparung so durchführt, dass mit dem CO2- Ausgleich auch soziale Ziele vor allen in den Ländern des globalen Südens erreicht werden). Im Durchschnitt wird die persönliche CO2-Jahresbilanz dadurch mit 1,0 to CO2 entlastet.

Trumpf 5: Die Reduktion des Fleischkonsums (insbes. Rindfleisch) führt im Bereich der Ernährung zur größten CO2-Entlastung. Wenn dieser Trumpf schon ausgespielt wurde, zB bei Vegetariern, verbleiben noch viele mittlere und kleine Steine zur CO2-Reduktion im Bereich der Ernährung (Bevorzugung bio-regionaler Produkte, Verzicht auf Flugobst, Reduktion der Lebensmittelabfälle u.ä.). Ernährung mit Fleisch bewirkt 1,6 to CO2 pro Jahr, vegetarisch sind es 0,8 to, eine CO2-Ersparnis durch Fleischreduktion ist damit bis zu 0,8 to pro Person möglich.

Trumpf 6: Umstellung auf einen ressourcenschonenden Konsum. Dazu gibt es nicht den einen großen Stein, sondern viele wichtige mittlere. Sie reichen vom bewußt weniger Konsumieren über Bevorzugung langlebiger und reparaturfähiger Produkte bis hin zur Strategie „Nutzen statt Besitzen“ sowie Gemeinschaftsnutzungen. CO2-Ersparnis: 1,2 to.

Es zeigt sich, dass es durch geschicktes Ausspielen unserer Trümpfe möglich ist, ohne Einbuße an Lebensqualität in dem relativ kurzen Zeitraum bis 2030, der uns zur Abwendung des Klimakollaps gerade noch bleibt, die drastische Verringerung von 10 auf 2,5 to CO2 pro Jahr und Person zu erreichen. Die erste Hälfte des Weges umfasst technologische Veränderungen und ist vergleichsweise bequem (kaum Verhaltensänderungen), aber trotz Förderung eher kostenintensiv (insbes. bei Umstellung auf klimafreundliche Heizung; bei Umstellung auf E-Auto können Leasing oder Auto-Abo helfen, die Investitionskosten abzufedern). Die 2. Hälfte des Weges umfasst Verhaltensänderungen und ist etwas weniger bequem (Verhaltensänderungen erfordern oft das Verlassen eingefahrener Gewohnheiten), dafür aber nicht kostenintensiv, oft sogar noch mit Kosteneinsparungen verbunden.

Jeder von uns ist für seine persönliche CO2-Bilanz selbst verantwortlich. Wenn diese persönliche Bilanz allerdings bis 2030 über 2,5 to CO2 pro Jahr hinausgeht und damit die Lebensgrundlagen von uns, unseren Kindern und künftigen Generationen bedroht, wird aus Eigenverantwortung plötzlich Schöpfungsverantwortung. Es ist dann für gesamte Gesellschaft nicht mehr egal, was der/die Einzelne tut. Die obige Abbildung ist ein Fahrplan, mit dessen Hilfe wir unsere Schöpfungsverantwortung erfolgreich in konkrete Taten umsetzen können.

Während die sechs Trümpfe drauf abzielen, durch eigenes Handeln einen Beitrag zur CO2- Reduktion zu leisten, gibt es noch zwei weitere wichtige Möglichkeiten, die eine starke Hebelwirkung besitzen und uns zur Verfügung stehen. Im Hinblick auf die Wirtschaft ist dies eine nachhaltige Geldanlage, durch die nur solche Unternehmen unterstützt werden, deren wirtschaftlicher Erfolg nicht zu Lasten unserer Kinder und nachfolgenden Generationen geht. Und im Hinblick auf die Politik sind wir als WählerInnen gefordert, den Aspekt des Klimaschutzes verstärkt bei der Wahlentscheidung einzubeziehen, weil die nächste Legislaturperiode auf Gemeinde-, Landes- und Bundesebene die letzte ist, in deren Rahmen noch wirksam der drohende Klimakollaps abgewendet werden kann. Das gilt übrigens auch für die nächste Wahl der Gemeindevertretung in den evangelischen Pfarrgemeinden im Jahre 2023.

Univ.-Doz. Dr. Dietmar Kanatschnig
Beauftragter für Klimavorsorge und Nachhaltige Entwicklung der Evangelischen Kirche Österreich
dietmar.kanatschnig@evang.at

2. überarbeitete Fassung, 11/2022

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