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Predigt: Mt.25, 14-30 von August 2022

Predigt: Mt.25, 14-30

Von den anvertrauten Zentner

Liebe Gemeinde!

Byung-Chul Han – deutsch-koreanischer Erfolgsphilosoph Jahrgang 1959 – er hat auch kath. Theologie studiert- hat ein neues Buch veröffentlicht: Titel: Vita Contemplativa

Ich bin durch unseren dritten Sohn Gregor auf ihn gestoßen, der ihn in Berlin an der Akademie der Bildenden Künste gehört und bei ihm einige Vorlesungen besucht hat, gestoßen.

Die Müdigkeitsgesellschaft ist ein Buch, das ich mit großem Interesse gelesen habe. Ich wollte ihn sogar zu einem Vortrag im Rahmen der Bildungswoche des EBW zum Thema Nachhaltigkeit einladen, aber er hat mir auf mein Mail nie geantwortet – vielleicht war die Adresse falsch.

Jetzt also ein neues Büch über Kontemplation.

Peter Strasser hat es im Spectrum der gestrigen Presse ziemlich vernichtend verrissen.

Er wirft ihm innere Unwahrhaftigkeit vor, weil er selber ein Hektiker der Schrift, so bezeichnet ihn Strasser, bereits 30 Bücher veröffentlicht hat

Mit Beschaulichkeit und Kontemplation allein, wird sich die Welt nicht verändern.

Der heutige Predigttext gibt Peter Strasser recht.

Es geht darum, die uns anvertrauten Talente einzusetzen, ja damit zu wuchern.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, das ist ja ein Gleichnis für Börsenspekulanten, die auf Teufel komm raus, Hochrisikogeschäfte und Finanztransaktionen durchführen, die möglichst schnell den Einsatz verdoppeln und den Gewinn vermehren sollen.

Die sind in dem Gleichnis sicher nicht gemeint.

Es geht nicht um Wirtschaft, es geht nicht um Bankgeschäfte, sondern es geht um die Talente, die uns Gott mitgegeben hat.

Mit diesen Talenten sollen wir wuchern. Mit den Talenten der Barmherzigkeit und Menschlichkeit.

Sich was trauen und zutrauen. Nicht ewig zaudern und zögern. Hin und her überlegen und am Ende doch den Schritt nicht wagen.

Sie haben es vielleicht auch gestern in den Nachrichten gehört:

Heini Staudinger, der Schuhfabrikant und Erfinder der Waldviertler, des GEA-Ladens, Rebell und Querdenker will für das Amt des Bundespräsidenten kandidieren.

Ob das so eine gute Idee ist, weiß ich nicht, aber jedenfalls ist Heini Staudinger eine bemerkenswerte Persönlichkeit: Gemeinwohl-Wirtschaft, einer der ungewohnte Wege beschritten hat u. immer wieder auch aneckt.

„Scheiß di nit au“ lautet ein Spruch, ein Grundsatz, der auch als Aufdruck eines T-Shirts zu erwerben ist.

Wir haben zu viel Angst, sagt er, die Dinge von einer ganz anderen Seite zu betrachteten und auch entsprechend zu handeln

Damit sind wir wieder beim Gleichnis aus dem Mt. Ev.

Es sieht hier alles nach Drohung und Abschreckung aus, wenn es am Schluss heißt: Da wird sein Heulen und Zähneklappern und wenn wir hören, dass der unnütze Knecht in die Finsternis hinausgeworfen werden soll.

Schwarze Pädagogik? Vielleicht.

Ich möchte das Gleichnis aber als Ermutigung, als Apell, als Anstoß verstehen.

Wir sollen uns was zutrauen. Wir sollen unsere Talente einbringen, auch wenn wir vielleicht scheitern, auf die Nase fallen oder versagen.

Dann eben wieder aufstehen u. es wieder versuchen.

Nur nicht zaudern und zögern und in Schockstarre oder Handlungsunfähigkeit verharren.

Mit unseren Talenten wuchern. Großzügig sein, wenn es darum geht, im Geiste Jesu unsere Gesellschaft zu verändern.

Risikofreude, denn wir haben nichts zu verlieren, sondern nur zu gewinnen, dass mit unserem Einsatz, mit unseren oft stümperhaften Versuchen wir doch mitzubauen, wenn auch nur bruchstückhaft, am Reich Gottes.

Amen

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