Ökum. Gedenkgottesdienst nach dem schrecklichen Amoklauf in Graz am 9.Juni 2025,
in der Stadtpfarrkirche St.Jakob in Villach, am Donnerstag, 12. Juni 2025 gemeinsam mit Dechant Reinhard Pirker
Sacharja 4, 6b
Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.
Liebe Schwestern und Brüder!
Es tut uns allen in der Seele und im Herzen weh, dass wir schon wieder so Schreckliches erleben müssen und uns heute hier, wie vor vier Monaten zusammenfinden, um der Opfer dieses so sinnlosen und unfassbaren Amoklaufs im Gymnasium in Graz zu gedenken.
In all unserer Sprachlosigkeit, Ohnmacht und Ratlosigkeit sind wir zusammengekommen, um uns gegenseitig zu stützen, um unsere Solidarität und unser Mitgefühl zum Ausdruck zu bringen und um Gott zu bitten, dass er tröstet, dass er hilft das Schreckliche und Unbegreifliche auszuhalten. Gott zu bitten, dass er uns Kraft gibt, füreinander da zu sein und gegen alle Finsternis und gegen allen Schmerz immer wieder ein Licht der Zuversicht und Hoffnung anzuzünden.
So viele Fragen, die wir klagend und anklagend erheben. Was geht in einem 21jährigen Menschen vor, was sind die Gründe und Ursachen, die dazu geführt haben und führen können, sich so ausweglos zu verstricken, sich so verblendet zu verrennen und eine solche Wahnsinnstat auszuführen?
Wir wissen es noch nicht. Es macht das Geschehen auch nicht ungeschehen, aber es gibt uns vielleicht die Möglichkeit, daraus zu lernen, im Umgang mit Schülerinnen und Schülern, im Umgang mit heranwachsenden jungen Menschen, die dabei sind, ihren Weg zu finden und die sich womöglich zurückgesetzt, ungerecht behandelt, nicht verstanden oder ausgegrenzt fühlen. Das ist vielleicht nur ein Aspekt, andere kommen vermutlich noch ans Tageslicht.
Jedenfalls müssen wir erschütternd feststellen, dass dieser Wahnsinn kein Ende nimmt.
Am Sonntag haben wir das Pfingstfest gefeiert. Der heilige Geist, der heraushilft aus selbstverschuldeter Isolation, der die verriegelten Türen und Fenster aufbricht, hinter denen sich die verängstigten und verunsicherten Jüngerinnen versteckt haben.
Der Heilige Geist führt uns ins Leben hinein. Er befreit aus Selbstbezogenheit und Selbstisolation.
Wir sollen uns einbringen, wir sollen mitgestalten, wir sollen mit unseren Begabungen heilsam, friedenstiftende und versöhnlich wirken, nicht zerstörerisch, nicht vernichtend.
„Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.“
Veränderung und Wandel nicht mit der Brechstange, nicht mit Waffengewalt, sondern durch den heilmachenden Geist. Dadurch, dass wir miteinander reden, einander die Wahrheit zumuten und einander immer wieder die Chance geben, bei aller Differenz das Gemeinsame zu finden und zu stärken.
Ja, ich bin nach diesem Amoklauf auch für eine Verschärfung der Waffengesetze, die es hoffentlich verhindern, dass junge Menschen zu leicht an Waffen kommen, aber das allein wird nicht ausreichen.
Es geht um den Geist, es geht um Herz und Verstand. Wenn unser Herz und unser Verstand berührt und angerührt werden von der Liebe Gottes und von der Liebe anderer Menschen, dann stecken wir den Kopf nicht in den Sand, sondern es finden sich Auswege und Lösungswege ohne Gewalt und ohne Hass.
Wir sind zusammengekommen im Geist, der verbindet, der tröstet, der heilt, der Hoffnung weckt.
Wir trauern mit, wir schweigen mit, wir bitten für alle, die betroffen sind. Für die Betroffenen ist es ein langer und beschwerlicher Weg entlang eines tiefen Abgrunds, ein Weg durch eine nicht enden wollende Nacht. Wir bitten darum, dass Gott mitgeht durch diese Finsternis, wir bitten darum, dass wir Wege und Auswege aus dieser Tragödie finden und auch darum, dass unsere Solidarität und unsere Gebete die Not lindern und Hoffnung wieder möglich machen.
Amen
