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Predigt zur Orgeleinweihung in Puch am 19. April 2026

Liebe Festgemeinde,

ich hätte Jakob Ladstsätter gerne kennengelernt. War sicher eine sehr interessante Persönlichkeit. Ich stelle ihn mir vor als ein eigensinniger, aber auch feinsinniger Mensch, beharrlich in seinem Tun und mit einem starken Willen ausgestattet. Ein vielseitig, vor allem musikalisch begabter Mann, der sich mit seiner Schülerschaft plagte und zum Ausgleich Orgeln baute und Gastwort war. So hat er seine Spuren hinterlassen im Drautal, wofür wir nur dankbar sein können. Ob er diesen Text des 1. Petrusbriefs gekannt und bewusst beherzigt hat?

„Und dienet einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes … damit in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesus Christus.“

Ob er es nun gewusst hat oder nicht, so ist doch sein Tun ein Paradebeispiel für das, was der Schreiber des Petrusbriefs – es war nicht der Apostel, aber einer, der sich in seinem Namen sprechen lässt. Er hat Dinge geschaffen, die weit über unsere Dörfer hier im Tal oder am Berg einen Namen haben, und dazu gehört inzwischen auch der Name Ladstätter-Orgel. Sie sind etwas ganz Besonderes und zeugen von einem starken Glauben und Willen dessen, der sie gebaut hat. Diese Orgel hier in unserer Kirche in Puch gehört dazu. Sie spricht nicht mit Worten, und doch erzählt sie eine Geschichte: von Händen, die sie gebaut haben, von Ohren, die auf ihren Klang gewartet haben, von einer Gemeinde, die durch sie getragen wurde – im Singen, im Beten, im Hoffen. Mit einer Zukunft, die die Restairierung ermöglicht.

„Dienet einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat.“

Da ist zuerst der Blick zurück. Auf Jakob Ladstätter, den Lehrer, den Autodidakten, den Orgelbauer. Kein großer Name der europäischen Orgelbaukunst, kein Meister mit langer Tradition hinter sich. Und doch einer, der seine Gabe ernst genommen hat. Einer, der nicht gesagt hat: „Ich kann das nicht perfekt, also lasse ich es.“ Sondern einer, der das, was ihm gegeben war, eingesetzt hat. Dazu hat er auch alte Bestandteile übernommen und eingebaut, also das verwendet, was da war. Er hat gewusst, wo er hinwill, und Wege gesucht, da anzukommen mit den Fertigkeiten, die er gelernt oder sich angeeignet hat.

Der erste Petrusbrief spricht nüchtern und zugleich tief von diesen Gaben. Er nennt sie nicht außergewöhnlich oder spektakulär. Er nennt sie das, was sie sind: anvertraute Möglichkeiten. „Ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat.“ Nicht: die er sich verdient hat. Nicht: die er sich selbst zuschreibt. Sondern: die er empfangen hat.

Es ist nicht mein Verdienst, dass ich etwas kann, sondern eine Gabe Gottes.  Sie ist mir geschenkt, aber ich habe dann auch dafür eine Verantwortung. Wenn das, was ich kann, Gabe ist, dann gehört es nicht nur mir. Dann ist es dazu da, dass es anderen dient.

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