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Ansprache zur Einweihung des Bildungszentrums Schloss Krastowitz am 7.6.2026

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Festgäste,


was haben selbst hergestellte Naturseifen, Filzen mit Schafwolle, Trocknen und Dörren von Obst und Gemüse, fermentieren von Gemüse, Braukunst mit Wildkräutern – das  würde ich auch sehr interessieren!  und Agroforstsysteme – Anbau-Modelle für die Zukunft - gemeinsam? Sie alle können erlernt werden in Kursen, die fortan im Bildungszentrum Schloss Krastowitz angeboten werden. Sie alle dienen einem: Produkte aus der Natur wahrnehmen, wertschätzen, veredeln und verwenden in einem gesunden Kontext.

Dass sie angeboten werden können, das feiern wir heute. Dass Geld, Liebe, Kompetenz und guter Willen sich vereint haben zu dieser Einrichtung, di ewir heute einweihen dürfen. Und danke, dass wir das als Geistliche tun und Gottes Segen dafür erbitten dürfen.

Für diesen Anlass mag der biblische Text zunächst überraschend klingen. Ich lese aus dem 1. Petrusbrief Kapitel 4:

Das Ende aller Dinge ist nahe.

Seid besonnen und bewahrt einen klaren Kopf,

damit ihr beten könnt.

Haltet vor allem mit Ausdauer

an der Liebe zueinander fest!

Denn die Liebe deckt viele Sünden zu.

Seid gastfreundlich untereinander,

ohne euch zu beklagen.

Dient einander –

jeder mit der Gabe, die er erhalten hat.

So erweist ihr euch als gute Verwalter der Gnade,

die Gott vielfältig schenkt.

Das Ende aller Dinge ist nah. Das klingt nicht nach Aufbruch, sondern nach Abschluss. Doch der Verfasser des Petrusbriefes will keine Angst verbreiten. Er fragt vielmehr: Wenn alles Vergängliche einmal vergeht – was bleibt dann, was ist wirklich wichtig?
wenn wir uns auf die Zukunft vorbereiten – was ist da wichtig?

Seine Antwort ist erstaunlich einfach:

Bewahrt einen klaren Kopf. Betet. Liebt einander. Seid gastfreundlich. Dient einander mit euren Gaben.

Mitten in allen Veränderungen des Lebens erinnert uns dieser Text daran, worauf es ankommt: auf die Art, wie wir miteinander leben.

Und genau das finde ich auch im Programm von Krastowitz. Und das freut mich. Denn:
Bildung ist mehr als die Vermittlung von Wissen. Sie ist mehr als Ausbildung und Qualifikation. Bildung fragt immer auch danach, wie Menschen Verantwortung übernehmen, wie sie miteinander umgehen und wie sie ihre Fähigkeiten zum Wohl anderer einsetzen. Und in diesem Bildungsprogramm finde ich auch ganz wichtig den Aspekt der Nachhaltigkeit, der Liebe zur Natur und dem, was sie uns gibt und dem, wie wir in Zukunft damit umgehen sollen. Als Natur, die kultiviert und auch genutzt, aber nicht ausgenutzt und übernutzt wird.

Unsere Zeit verändert sich rasch. Technische Entwicklungen, wirtschaftliche Herausforderungen und gesellschaftliche Umbrüche prägen unseren Alltag. Niemand weiß genau, wie die Welt in zehn oder zwanzig Jahren aussehen wird.

Aber vielleicht ist die wichtigere Frage: Welche Menschen wollen wir sein? Wie wollen wir unsere Gesellschaft gestalten?

Werden wir Menschen sein, die besonnen handeln, wenn andere in Unruhe geraten? Werden wir Menschen sein, die Brücken bauen statt Gräben zu vertiefen? Werden wir Menschen sein, die ihre Fähigkeiten nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere einsetzen?

Der Petrusbrief beginnt mit der Besonnenheit:

„Seid besonnen und bewahrt einen klaren Kopf.“

Gerade Bildung hat mit dieser Besonnenheit zu tun. Wissen allein macht noch nicht klug. Unsere Gesellschaft braucht Menschen mit Urteilskraft, Verantwortungsbewusstsein und der Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen. Traditionen zu leben und weiterzuentwickeln.

Ein Bildungszentrum sollte deshalb immer auch ein Ort sein, an dem Menschen lernen, kritisch zu denken und verantwortungsvoll zu handeln.

Dann spricht der Text von der Liebe:

„Haltet vor allem mit Ausdauer an der Liebe zueinander fest.“

Das klingt zunächst ungewöhnlich für eine Bildungseinrichtung. Aber denken wir mal zurück, wo haben wir am meisten gelernt?

Bei mir war das… Und von wem? Und doch wissen wir alle: Menschen lernen dort am besten, wo sie Wertschätzung erfahren. Wo sie ernst genommen werden. Wo jemand an sie glaubt. Wo sie Freude und Leiben haben an dem, was sie tun, und dafür Wertschätzung erfahren.

Viele von uns erinnern sich an Lehrerinnen, Ausbilder oder Wegbegleiter, die ihren Lebensweg geprägt haben. Und es war meist nicht allein ihr Wissen, sondern ihre Fähigkeit, Menschen zu ermutigen.

Bildung braucht Kompetenz. Aber sie braucht ebenso Menschlichkeit.

Weiter heißt es:

„Seid gastfreundlich untereinander.“

Gastfreundschaft bedeutet: Du bist willkommen.

Gerade in einer vielfältigen Gesellschaft und hier in Kärnten, wo verschiedene Kulturen aufeinandertreffen, sind Orte wichtig, an denen Menschen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlicher Erfahrungen und unterschiedlicher Generationen einander begegnen können.

Ein Bildungszentrum kann ein solcher Ort sein – offen, respektvoll und einladend.

Schließlich hören wir:

„Dient einander – jeder mit der Gabe, die er erhalten hat, als gute Haushalter der Gnade Gottes.“

Dieser Satz erinnert uns daran, dass jeder Mensch Begabungen besitzt. Nicht alle können dasselbe. Aber jeder kann etwas beitragen. Diese Gaben sind von Gott geschenkt, Talente, Entwicklungsmöglichkeiten, sie sollen entdeckt und gefördert werden. Dazu braucht es gute Haushalter. Einem Haushalter gehört das Haus nicht, sondern er sorgt dafür, dass es gut geführt wird und auch in Zukunft besteht, so dass keiner etwas daran auszusetzen hat. Ein Haushalter bewahrt es schon für die nächsten Generationen.

Solche Haushalter sollen wir sein. Für uns und die , die nach uns kommen.

Wir wollen Verantwortung übernehmen anderer beizutragen.

Liebe Festgemeinde,

Schloss Krastowitz wird künftig ein Ort sein, an dem Menschen lernen, wachsen und Zukunft gestalten.

Möge dieses Haus ein Ort der Besonnenheit sein, an dem Wissen und Verantwortung zusammenfinden.

Möge es ein Ort der Wertschätzung sein, an dem Menschen ihre Begabungen entdecken und entfalten können.

Möge es ein Ort der Gastfreundschaft sein, an dem Begegnung gelingt.

Und möge es ein Ort werden, an dem viele Menschen erfahren, dass ihre Fähigkeiten gebraucht werden und ihr Beitrag zählt.

Dazu segne Gott alle, die hier lernen und lehren, arbeiten und Verantwortung tragen.

Amen.

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