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Predigt zur Amtseinführung SI Andrea Mattiolli am 31.01.2026 in Zlan

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen.
Sie werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes. So sagt es Jesus im Lukasevangelium, Kapitel 13, Vers 29.
Gekommen sind Sie, seid ihr, welche Ehre und Freude, um diesen Gottesdienst gemeinsam mit uns zu feiern. Von Wien und St. Pölten, von Lienz und Innsbruck, von Stuttgart, Neckarsulm und der Albra, vom Gailtal und aus ganz vielen Orten in Kärnten, Osttirol und drum herum. Später werden wir zu Tisch sitzen miteinander, so wie wir da sind. Wir feiern, wir sind beieinander in unserer ganzen Vielfalt. Es ist nicht das Reich Gottes in seiner ganzen Fülle, noch nicht. Unsere Gemeinschaft hält die Hoffnung aufrecht, den Glauben lebendig, die Liebe wach. Und das brauchen wir so dringend, gerade in dieser Zeit. In einer Zeit, in der sich die Welt wieder aufzuspalten droht und in Ost und West unberechenbare Machthaber sitzen. In einer Zeit, in der viele Gewissheiten verloren gehen, die mir und vielen anderen so selbstverständlich geworden sind. In einer Zeit, in der wir einstehen müssen für unsere Werte, unser Zutrauen und unsere Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit.
Sie werden kommen – das ist der Schlusssatz zu der Geschichte von der engen Pforte und der verschlossenen Tür. Jesus wird gefragt, wer denn eigentlich dabei sein wird im Haus Gottes. Es sprach aber einer zu ihm: Herr, meinst du, dass nur wenige selig werden? Jesus antwortet ihm darauf: „Nur wenige werden selig werden“ „und: Ringt darum, dass ihr durch die enge Pforte hineingeht.“
Eine enge Pforte, die lässt nicht Massen gleichzeitig hindurch. Es ist ein Weg, den man bewusst geht und das auch will. Für den man sich entscheidet und nicht einfach der Masse folgt.
Und mehr denn je ist das ja auch so mit unserem Glauben, mit unserer Zugehörigkeit zur Kirche so: ich gehöre nicht mehr einfach so zur Gemeinschaft der Glaubenden, zur Kirche, weil das immer schon so war. Weil es gesellschaftlich geboten und halt einfach so ist. Ich gehöre dazu, weil ich erkannt habe, dass es mir guttut, dass ich mich für die Gemeinschaft, den Weg mit Gott entschieden habe. ich gehöre dazu, weil ich mich wohlfühle da, angenommen weiß und es mir etwas gibt. Ich gehöre dazu, weil mir die Menschen wichtig geworden sind, die ich dort treffe, weil ich Kraft aus dem Glauben schöpfen kann und Gottes Wort mir Stabilität und Wegweisung gibt in einer unübersichtlichen Welt. Ich gehöre dazu, tausche die eigenen Geschichten, Fragen, Zweifel aus mit denen der anderen und lebe sie gemeinsam.

Es ist nicht der breite Weg, um im Bild zu bleiben, sondern die Pforte, die andere mir aufgemacht haben und durch die ich dann auch selbst gegangen bin. Neugierig, was dahinter kommt, mit einem Blick, der sich öffnen kann in ein weites Land oder in den einladenden Raum der Kirche, mit einem Blick an den Tisch mit ganz unterschiedlichen Menschen, die gekommen sind, um dies zu feiern. Wo es duftet nach ganz unterschiedlichen Speisen und Köstlichkeiten aus allen Ländern und Kulturen. Wie schön mag es dort erst sein!
Es ist an uns als das sogenannte Bodenpersonal Gottes, da rede ich von uns allen, die Sehnsucht nach dieser Tischgemeinschaft Gottes wachzuhalten. Und nicht nur darauf zu warten, sondern schon jetzt Bilder von Gottes Reich Wirklichkeit werden zu lassen. Da will ich immer wieder fragen und mich fragen lassen: was ist wichtig? Wo stehen wir und wo wollen wir hin? Es ist mir wichtig, dass wir solche Ausstrahlung haben, dass man da gerne dazugehören will, weil eine Kraft ausgeht, eine Freude, eine Liebe. Das müssen wir durchbuchstabieren durch unsere verschiedenen Tätigkeitsbereiche, da, wo wir Menschen begegnen: in der Schule im Religionsunterricht, in den Gottesdiensten, in den Diensten in der Diakonie, in der Seelsorge, in der Musik und ganz wichtig in unseren alltäglichen Begegnungen. All das ist Kirche, all das verkündigt Gottes Wort, all das schafft Leben. So dass wirklich sie kommen von Osten und Westen, von Norden und Süden und mit uns und den vielen andren zu Tisch sitzen wollen und werden – dereinst dort, im Angesicht Gottes, da wird es die reine Freude sein.
Wie komme ich da hin? Jesus redet nicht von einer Gewissensprüfung, er sagt nicht, da werden nur die sitzen, die einen festen unerschütterlichen Glauben ohne Zweifel vorweisen können. Er sagt: ringt darum. Bemüht euch, gebt nicht auf. Und, dann:
30 Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und sind Erste, die werden die Letzten sein.
Es ist also nicht an uns, zu entscheiden, wer ganz vorne sein wird und wer eher am Katzentisch sitzt. Das steht allein Gott zu, und ich bin überzeugt, da können wir viele Überraschungen erleben, weil die Gnade Gottes viel größer ist als unsere Weisheit und Urteilskraft. Da traue ich ihm einiges zu, und vor allem: er uns auch.
Zwischenspiel
Es gibt in Star Wars – Die dunkle Bedrohung diese eindrückliche Szene:

Anakin Skywalker steht als Kind vor dem Hohen Rat der Jedi. Anakin Skywalker ist später Darth Vader, der Böse. Ihr wisst schon: „Ich bin dein Vater …“ Der Hohe Rat also sie sitzen am Tisch zu zwölft im Kreis.
Yoda. Mace Windu. Obi-Wan Kenobi. Eine ehrwürdige Tafelrunde. Gegessen wird allerdings nichts.
Anakin wird geprüft.
Seine Midi-Chlorianer - seine Macht – wird gemessen, die ist extrem hoch, das ist eine gute Voraussetzung, um Jedi zu werden.
Seine Angst wird analysiert.
Seine Herkunft problematisiert. Alles gut.
Aber am Ende sagen sie:
„Er ist zu alt. Er hat zu viele emotionale Verbundenheiten. Das ist zu gefährlich.“
Anakin darf zwar ausgebildet werden – aber nicht dazugehören. Er bekommt keinen Platz im Kreis. Keinen Sitz an der Tafel.
Diese Szene ist schmerzhaft.
Denn sie zeigt eine Gemeinschaft, die aus Angst vor dem Risiko
lieber ausschließt als vertraut. Und das führt letztlich zu nichts Gutem. Wie Yoda sagt: Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid.
Und genau hier wird der Unterschied zu Jesu Bild deutlich.
Jesus sagt nicht:
„Sie werden geprüft aus Osten und Westen.“ „Sie werden gemessen nach dem Grad ihres Glaubens.“ „Sie werden zugelassen, wenn sie stabil genug sind.“
Sondern: „Sie werden kommen … und zu Tisch sitzen im Reich Gottes.“ Kein Test. Kein Rat.
Keine Angst vor der dunklen Seite, sondern Zutrauen: Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was der Herr von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.
Vielleicht wäre Anakin Skywalkers Geschichte anders verlaufen, wenn er nicht vor einem Tribunal, sondern an einem Tisch als Mitglied der Tafelrunde gelandet wäre. Vielleicht wäre er nicht den Weg zur dunklen Seite der Macht gegangen, sondern ein Jedi, ein Botschafter der Liebe und Gerechtigkeit geworden.
Nicht bewertet. Sondern gehalten. Nicht analysiert. Sondern begleitet.
So wie ich das erlebt habe: mir wurde etwas zugetraut, ich wurde in den Dienst genommen, mit all dem, was ich mitgebracht habe.

Ausgebildet, befähigt, gestärkt durch Gottes Wort und die Menschen, die mit diesen Weg gegangen sind und gehen. Und so viele von euch sind heute hier.
Die Jedi wollten das Gute schützen – und verloren dabei einen Menschen.
Jesus erinnert uns: Das Reich Gottes wächst nicht durch perfekte Auswahl, sondern durch mutige Tischgemeinschaft, die sich genau darin zeigt, dass sie kommen aus Osten und Westen, Norden und Süden. So wie ihr heute zusammengekommen seid, so wie meine Familie und ich hierher gekommen sind.
Auf dass wir eines Tages am Tisch Gottes sitzen werden, ihn von Angesicht zu Angesicht schauen und mit ihm und all den anderen feiern und lachen. Mei, das wird toll sein. Bis dahin lasst uns tun, was uns aufgetragen ist. Und feiern.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

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