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Predigt des Monats

von Superintendent Pfr. Mag. Manfred Sauer

  • Bild 1: Predigt des Monats

PREDIGT: Jes.55,1-3
„Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und eßt!
Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!
Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und sauren Verdinest für das, was nicht satt macht?
Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben.
Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir!
Höret, so werdet ihr leben!“

Liebe Gemeinde!
Kennen Sie das?
Einkauf im Supermarkt. Die Liste der Dinge die besorgt werden sollen fein säuberlich aufgeschrieben, um sich selber zu schützen vor dem, was noch zusätzlich in den Einkaufskorb wandert, weil einem ein Angebot ins Auge springt und man am Ende wieder viel zu viel mitnimmt.
Wenn alles besorgt ist, der Weg zu Kasse und am Ende die Rechnung. Man greift in die Hosetasche, ins Sakko, doch kein Geldbeuteln zu spüren. Man kramt in der Tasche. Nochmal von vorn. Das gibst doch nicht. Ich hab doch den Geldbeutel eingesteckt?
Die Schlange hinter einem wird länger. Die ersten unfreundlichen Blicke. Was ist los da vorn. Geht das nicht schneller.
Und alles Suchen hilft nicht, Der Geldbeutel ist nicht da. Zu Hause vergessen, oder doch nur im Auto.
Oder der Geldbeutel ist leer und die Bankomatkarte fehlt.
Haben mir die Kinder, oder die Frau wieder die Bankomatkarte rausgenommen?
Ein unangenehmes Gefühl. Peinlich. Was tun? Mit der Kassierin verhandeln. Bitte den Einkaufswagen zur Seite, ich komme in ein paar Minuten wieder?
Ohne Geld geht nichts, sagen wir, wissen wir.
Ohne Geld ka Musi!
Es kann schlimmer sein. Es gibt Menschen, die sich nur einen Bruchteil von dem leisten können, was wir uns leisten. Mensche, bei denen es vorne und hinten nicht reicht. Weil sie mit Geld nicht umgehen könnnen, weil sie ihren Job verlorenhaben, weil sie sich übernommen und überschuldet haben.
„Und die ihr kein Geld habt, kommt her,kauft!
Das klingt für die, die kein Geld haben, vielleicht wie Hohn.
Ein schlechter Scherz. Eine Utopie. Die Wirklichkeit sieht anders aus.
Schlaraffenland gibts nur im Märchen. Die Welt ist kein Selbstbedienungsladen. Alles hat seinen Preis.
Es gibt kühne Überlegungen, unser Wirtschaftssystem zu ändern. Grundeinkommen ohne Erwerbsarbeit.
Ist das leistbar? Wer ist dann noch bereit, sich hinzustellen und die „Drecksarbeit“ zu übernehmen.
Aber es geht in unserem Bibeltext eigentlich um mehr als nur um Stillen der Grundbedürfnisse.
Vielleicht geht es sogar um etwas ganz anderes.
Es geht um das, was uns wirklich sättigt, befriedigt, glücklich und zufrieden macht.
Eine Hunger und Durst nach einem erfüllten und sinnvollen, Leben.
Die Werbung spielt gekonnt und raffiniert mit unseren Sehnsüchten nach Anerkennung, nach Zuspruch, nach Lebensglück und Lebensfreude, aber sie gaukelt uns oft was vor.
Es geht um einen anderen Durst und um einen anderen Hunger.
Welche Sehnsüchte haben wir?
Vielleicht sind wir übersättigt und deshalb so unzufrieden?
Jörg Schindler: Die Rüpelrepublik.
Stimmt es, dass Narzissmus und grenzenloser Egoismus mittlerweile die vorherrschende Seinsweisen sind? Dass die Sittten rasant verafallen?
Sehnsucht nach einem erfüllten Leben.
Gert Jonke:
Jetzt wird alles gut
kein nagel wird mehr fürchten, dass ihm ein hammer den Kopf einschlägt
denn die Köpfe der Nägel werden nicht rosten
und die Dornen der Rosen werden uns streicheln
jetzt wird alles gut
die ewigen Sitzenbleiber werden aufstehen und sich erheben
und wer an eine Wand gestellt wurde, dem wird man eine Sitzgelegenheit geben.
Amen

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