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Predigt am Karfreitag zum ökumenischen Gottesdienst in Villach-Nord von SI Andrea Mattioli

Karfreitag, es ist ein Tag des Innehaltens, der Tränen. Eine Mutter weint um ihren Sohn. Die Freunde weinen über ihre verlorene Hoffnung. Tränen der Trauer, der Enttäuschung und der Ohnmacht. Tränen des Zorns. Menschen weinen um ihre Toten. Sie weinen aus Einsamkeit in Kliniken und Heimen. Sie trauern um ihre verlorene Arbeit, um zerstörte Träume. Menschen seufzen vor Erschöpfung.

Und weil sie nicht allen helfen konnten und weil der Schmerz der Angehörigen nicht zu ertragen ist.

Wir suchen nach Erklärungen, Begründungen, nach Sinn. Die Welt kann uns den nicht geben. Am Karfreitag finden wir uns wieder in Christus.

Er, der von keiner Sünde wusste, der die Armen segnete - und der liebte, wo andere ihm ihren Hass entgegenschleuderten. Er stirbt den jämmerlichen Tod der Verbrecher und Totschläger. Wirs ehen an seinem Schicksal:

Es hat damals so viel Grausamkeit gegeben wie heute. Neben der Freude und dem Lachen war das Weinen und der Schmerz und das Schreien derer, die zugrunde gingen. Man könnte meinen, all das wiederholt sich ständig, die Menschheit lernt nichts. Wieder gibt es Krieg, vergessene, verlassene Menschen und Gegenden. Was für eine Welt!

Aber mitten in dieser Welt, in der die Hoffnungen blühten und welkten wie heute, wo die Sonne aufgeht über Recht und Unrecht, Schuld und Strafe und Vergehen, hat das Leben seinen Sinn. Und in Jesu Sterben wird ausgerechnet die Liebe sichtbar.

Ich lese aus dem 2. Brief des Paulus an die Gemeinde in Korinth:

Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.

20 So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!

Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. Ich höre diesen Satz als ein dreifach adressiertes Wort.

Als Wort an die Leidenden, als Wort an die Täter und als Wort an uns als christliche Gemeinde.

Das erste, „Gott war in Christus.
Gott hat nicht das Leid gefordert und seelenruhig zugeschaut, wie sein Sohn leidet. Er war in ihm selbst, er hat mitgelitten und mitgeschrien vor Schmerz und hat sich damit an die Seite all derer gestellt, die leiden, die sinnloses Unrecht ertragen müssen, die der Willkür und dem Hass ausgeliefert sind.

Das zweite: Und versöhnte die Welt mit ihm selber.“ Das ist das Zentrum unseres Glaubens. Es geht um ein einziges Thema: um die Liebe Gottes, die in Christi Tod mitten in der Welt sichtbar geworden ist.

Und diese Liebe müssen wir uns nicht verdienen oder erarbeiten, sie ist uns geschenkt und wir antworten auf dieses Geschenk mit unserem Glauben. Nicht nur für die Gläubigen, nicht nur für die, die meinen, alles richtig zu machen. Nicht einmal nur für die Menschen. Die ganze Welt, das Seufzen der ganzen Kreatur wird in diese Versöhnung Gottes hineingenommen. Das allein genügt und es bringt eine Lebenshaltung hervor, die Nein sagt zu Gewalt und Unrecht. Die sich Tätern entgegenstellt und Böses ablehnt. Die Nein! sagt zur gewaltsamen Durchsetzung der eigenen Interessen auf Kosten anderer. Es ist eine Stimme, die zur Umkehr aufruft und die Hand zur Versöhnung reicht. Das Heil, das in Christus geschenkt wird, ist für alle!

Zum dritten, und das ist an uns als christliche Gemeinde gerichtet: wir sollen als seine Botschafter von der Versöhnung zeugen, mit unserem Leben, mit unseren Worten und Taten. Zeigen, dass wir seinem Wort mehr vertrauen als dem der Menschen und auch denen eine Stimme geben, die nicht selbst für sich schreien und eintreten können. Eine Lebenshaltung, die jeden Menschen gleich wert erachtet und niemanden herabwürdigtt. Eine Stimme, die der Gewalt entgegentritt und das Wort von der Versöhnung aufrichtet. Darum bittet uns Gott. Und was Gott uns bittet, das sollen wir tun.

Denn er richtet unter uns auf eine Gemeinschaft der Liebe, die stärker ist als der Tod.

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