Predigt im Mai 2025
25.Bäuerinnenwallfahrt, am 3.Mai 2025 in der Stiftskirche Ossiach, gemeinsam mit Bischof Dr. Josef Marketz
1.Petrus 1, 3
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.
Liebe Bischof Josef,
Lieber Herr Stiftspfarrer Dechant Aichholzer
Liebe Bäuerinnen, lieb Ehren- und Festgäste!
Liebe Schwestern und Brüder!
Es ist schon einige Jahre her, da gab es in der deutschen Wochenzeitung „Die ZEIT“ eine Reihe mit dem Titel: Wovon ich träume“. Bekannte und prominente Persönlichkeiten aus dem Bereich Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft wurden gebeten über ihre Träume zu schreiben und davon zu
erzählen.
Einige haben tatsächlich für sie bedeutende Träume aufgeschrieben. Einige haben von ihren Hoffnungen, Visionen und Utopien erzählt: Wie sie sich ein Zusammenleben erträumen. Was für sie wichtig ist, Was sie sich von der Zukunft erwarten..
Einen Traum von Rolando Villazon habe ich mir aufgeschrieben und abgespeichert. Rolando Villazon wurde 1972 in Mexico City geboren und war zu der Zeit einer der weltberühmtesten und beliebtesten Opernsänger, der mit seinen Arien, mit seinen Partien viele Menschen begeistert hat und immer noch begeistert.
Er schreibt:
Das Theater ist voll ausverkauft bis auf den letzten Platz. Dieses Mal sind die Leute jedoch nicht wegen meines Gesangs gekommen. Sie wollen sehen, wie ich abhebe. Ich kann nämlich schweben. Ziemlich hoch über die Bühne stehe ich in der Luft.
Das ist sehr eindrucksvoll. Das Publikum ist hingerissen, so etwas gab es noch nie. Aber mir genügt das nicht. Ich will mehr. ich will fliegen. Richtig fliegen.
Ein uralter Traum des Menschen, fliegen zu können.
Ganz leicht zu werden. Einfach abzuheben, wie ein Vogel, die Arme auszubreiten und die Welt von oben zu sehen,
Es ist für mich eine Metapher, ein gleichnishaftes Bild für eine tiefe Sehnsucht, das Schwere hinter uns zu lassen, abzustreifen und davonzufliegen.
Mt diesem Traum wünschen wir uns, dass alles wieder gut wir, dass ich das, was mich fesselt, festhält, runterzieht überwinde und zu neuen Ufern aufbreche.
Und dann schreibt Rolando Villazon einen wunderbaren Gedanken: Lange, sehr lange habe ich mich als Künstler ständig infrage gestellt. Was mache ich eigentlich? Ich bin doch nur ein Clown, habe ich gedacht, der den Leuten ein paar nette Augenblicke bietet. Menschen sterben, Menschen kämpfen, Menschen tun wirklich wichtige Dinge, und ich?
Ich bin bloß der buffone (Clown?)
Es hat gedauert, bis ich verstand, dass auch ein Clown seien Ort hat. Dass das, was ich mache seinen Stellenwert hat, seine Bedeutung. Aber nur, wenn es die andern einbezieht. Will man bloß den Applaus und berühmt werden – o.k. ich hab nichts dagegen. Aber eigentlich geht es nicht darum, andere Menschen zu beeindrucken. Das Ziel ist, sie zu berühren.
Andere berühren, andere erreichen, andere teilnehmen lassen, miteinbeziehen, nicht nur an sich selber denken, sondern füreinander da zu sein, das ist doch ein wunderbarer Traum, eine starke Hoffnung.
Von dieser Hoffnung und von diesem Traum erzählt auch der 1. Petrusbrief. Er geht sogar noch einen Schritt weiter: Der Glaube an Christus verwandelt uns. Ihm vertrauen, sich an seinen Worten und Taten orientieren, das verwandelt und fühlt sich an wie eine Neugeburt.
Ein schöner Traum: Wie neugeboren zu sein, Hoffnung auszustrahlen, Hoffnung zu wecken und andere damit anzustecken.
Barmherzig miteinander umzugehen, d.h. auch einfühlsam und achtsam zu sein, mit Menschen und Tieren und mit der Natur.
Genau hier sind für mich Bäuerinnen und Bauern Vorbild, Ermutigung und Ansporn. Nicht nur alles schnellen Erfolg zu opfern, sondern mit Umsichtig und nachhaltig zu wirtschaften. Diese Hoffnung und diesen Traum brauchen wir für die Zukunft: Dass noch nicht alles verloren ist. Dass wir unseren Lebensstil ändern und umkehren können, dass die Welt anders aussieht, wenn wir nicht gegeneinander, sondern füreinander und miteinander hoffen, lieben, arbeiten und träumen.
Wir sollen die Hoffnung und unseren Traum von einer Welt ohne Krieg, ohne Hass, ohne Elend und von einer Welt, in der alle satt werden, nicht aufgeben.
Wir sollen und können immer wieder zu einer lebendigen Hoffnung werden, weil wir von Ostern herkommend aus der Verheißung Kraft schöpfen, dass die tödlichen und todbringenden Mechanismen überwunden werden und Gott immer wieder neues Leben und neue Hoffnung schenkt.
Amen
