PREDIGT Juni 2023
Predigt: 1.Sam.3, 1-10
Und zu der Zeit, als der Knabe Samuel dem Herrn diente unter Eli, war des Herren Wort selten, und es gab kaum noch Offenbarungen.
Und es begab sich zur selben Zeit, dass Eli lag an seinem Ort und seine Augen hatten angefangen, schwach zu werden, sodass er nicht mehr sehen konnte.
Die Lampe Gottes war noch nicht verloschen. Und Samuel hatte sich gelegt im Heiligtum des Herrn, wo die Lade Gottes war. Und der Herr rief Samuel. Er aber antwortete: Siehe, hier bin ich! Und lief zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen. Er aber sprach: Ich habe nicht gerufen; geh wieder hin und lege dich schlafen. Und er ging hin und legte sich schlafen.
Der Herr rief abermals: Samuel! Und Samuel stand auf und ging zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen. Er aber sprach: Ich habe nicht gerufen, mein Sohn; geh wieder hin und leg dich schlafen. Aber Samuel hatte den Herrn noch nicht erkannt, und des Herren Wort war ihm noch nicht offenbart. Und der Herr rief Samuel wieder, zum dritten mal. Und er stand auf und ging zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen. Da merkte Eli, dass der Herr den Knaben rief. Und sprach zu ihm: Geh wieder hin uns lege dich schlafen; und wenn du gerufen wirst, so sprich: Rede Herr, denn dein Knecht hört. Samuel ging hin und legte sich an seinen Ort. Da kam der Herr und trat herzu und rief wie vorher: Samuel, Samuel! Und Samuel sprach: Rede, denn dein Knecht hört.
Liebe Schwestern und Brüder!
Argentinierstrasse 30 a ist in Wien eine sehr bekannte Adresse – es befindet sich dort das älteste Funkhaus Österreichs, aus dem der ORF vor fast einem Jahr ausgezogen ist. Dazu gab es heftige Debatten u. Initiativen, die versuchten, dass das Radio auch weiter von dort aus sendet. Vor dem Funkhaus findet sich ein überdimensioniertes Ohr des Gugginger Künstlers Johann Garber, das auch 2015 beschädigt u. mit Farbe übergossen wurde.
Ein überdimensioniertes Ohr, das passt ja wunderbar zu einem Gebäude in den ausschließlich Radiosendungen produziert und ausgestrahlt werden. Das Radio als Medium hat nach wie vor einen hohen Stellenwert und viele Hörerinnen und Hörer. Es gab eine Zeit, als es noch kein Fernsehen gab u. Radio für viele das Tor in die Welt bedeutet hat. Stimmen und Kennmelodien, die ganze Generationen geprägt und begleitet haben.
Was hören wir? Was nehmen wir auf und was macht das Gehört mit uns? Im besten Sinne, fasziniert und bannt es unsere Aufmerksamkeit. Wir hören zu und im Zuhören entsteht ein ganz eigener Kosmos. Die Bilder entstehen im Kopf, ähnlich wie beim Lesen. Was hören wir. Was gehört gehört? Das ist auch das Thema des heutigen Sonntags und des heutigen Predigttextes.
Im Zentrum steht Samuel als Kind, der die Stimme Göttes hört, diese aber nicht zuordnen kann. Gottes Wort hören und verstehen, das ist gar nicht so leicht und so einfach. Es geht nicht um Gehorsam, sondern um das Hinhören, ja auch darum, das Gehörte umzusetzen im Leben, dem Gehörten Gestalt zu geben.
„Lob des Ungehorsams“
Gedicht von Franz Führmann: Sie waren sieben Geißlein und durften überall reinschaun, nur nicht in den Uhrenkasten, das könnte die Uhr verderben, hatte die Mutter gesagt. Es waren sechs artige Geißlein, die wollten überall reinschauen, nur nicht in den Uhrenkasten, das könnte die Uhr verderben, hatte die Mutter gesagt. Es war ein unfolgsames Geißlein, das wollte überall reinschaun, auch in den Uhrenkasten, da hat es die Uhr verdorben, wie es die Mutter gesagt hatte. Dann kam der böse Wolf Es waren sechs artige Geißlein, die versteckten sich , als der Wolf kam, unterm Tisch, unterm Bett, unterm Sessel, und keines im Uhrenkasten, sie alle fraß der Wolf. Es war ein unartiges Geißlein, das sprang in den Uhrenkasten, es wusste, dass er hohl war, dort hat´s der Wolf nicht gefunden, so ist es am Leben geblieben. Da war Mutter Geiß aber froh.
Es gibt einen destruktiven Gehorsam, einen blinden Gehorsam, der viel Unheil angerichtet hat und immer noch anrichtet. Auf Gottes Wort hören bedeutet gleichzeitig seine Ohren und sein Herz zu öffnen, aber auch hellhörig und wachsam zu sein. Wenn es uns gelingt, Gottes Wort zu hören und zu verstehen, dann gelingt es auch das Wahre und Wahrhaftige zu erkennen, die Geister zu scheiden und mit Gottes Hilfe Verantwortung zu übernehmen.
Amen
