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Osterpredigt 2023

Liebe Festgemeinde!
Liebe Schwestern und Brüder!

Reiner Kunze schrieb 1984 ein Ostergedicht, das Kardinal Schönborn auch in seinem Artikel für die Kleine Zeitung am Karsamstag voranstellte:

Die Glocken läuteten,
als überschlügen sie sich vor freude
über das leere grab

Darüber, dass einmal
etwas so tröstliches gelang,
und dass das staunen währt
seit zweitausend jahren

Doch obwohl die glocken
so heftig gegen die mitternacht
hämmerten –
nichts an finsternis sprang ab

Überschwängliche Freude über die Botschaft des Ostermorgens: Jesus lebt. Er ist auferstanden, er ist  wahrhaftig auferstanden.

Diese Osterbotschaft, dass der Tod nicht das letzte Wort behält, sondern, dass Gott uns verwandelt und auferweckt und neues Leben schenkt, diese Botschaft klingt nach, seit 2000 Jahren.

Die Frage ist, ob die Osterbotschaft auch heute noch ins Staunen versetzt, tröstet und Hoffnung weckt? Wir sind doch aufgeklärte Menschen des 21. Jahrhunderts. Wir haben den Mond betreten, umkreisen die Erde, senden Satelliten ins Weltall. Wir haben die kleinsten Bausteine des Lebens erforscht, klonen Lebewesen und wer weiß, was da noch alles entdeckt, erforscht und gemacht wird.

Wir wissen, dass wir sterben müssen und dass unser Körper schön langsam zerfällt, vermodert und nur ein paar Knochen übrig bleiben. Noch schneller geht es im Krematorium. Die Feuerbestattung wird immer beliebter und die Urnengräber nehmen an Bedeutung zu. Wenn, dann gleich gründlich und bei einigen gibt es sogar den Wunsch, dass die Asche verstreut werden soll.

Angesichts dieser biologischen Tatsachen, wie soll man da an die Auferstehung des Fleisches glauben. Ist der Trost nur Vertröstung, um Menschen gefügig und bei der Stange zu halten?  Im kritischen Rückblick wurde das jahrhundertelang so empfunden.
Wir brauchen die Verhältnisse hier auf Erden nicht verändern, denn es gibt sowieso ein letztes Gericht u. dann werden die einen in den Himmel auferstehen u. die andern in der ewigen Verdammnis bleiben.

Die Auferstehung des Fleisches bleibt ein Geheimnis und es bleibt eine Glaubenssache. Jedenfalls wäre für mich die Vorstellung, dass nach dem Tod das Absolute Nichts ist, schrecklich.
Auch wenn die Angst und der Schrecken des Todes bleiben, so eröffnet Ostern doch eine ganz neue Perspektive:
Jesus lebt und wir werden auch leben.

Nach dem Lukasevangelium überschlagen sich die Jünger bei der Begegnung mit dem Auferstanden jedenfalls nicht mit Freude. Im Gegenteil. Sie fürchten sich. Sie glauben, einen Geist zu sehen. Und es braucht einige Überzeugung, bis sie wirklich begreifen, was geschehen ist, bis sie glauben können, was sie gesehen haben.

Friede sei mit euch!

Mit diesen Worten begrüßt der Auferstandene seine Jünger.
Diesen Gruß höre ich auch als Auftrag. So, dass auch wir einander immer wieder zusagen und zurufen: Friede sei mit euch.
Auch wenn wir die Erfahrung machen: Es geht nicht friedlich zu unter uns, so leben wir in der Hoffnung, dass Friede möglich ist, wenn wir einander vergeben und wenn wir versöhnungsbereit sind.
„Nichts an Finsternis sprang ab“ heißt es am Schluss des schönen Ostergedichtes von Reiner Kunze. Eine realistische, aber auch sehr pessimistische Einschätzung der Verhältnisse und des Zusammenlebens. Denn damit stellt Kunze die Frage:
Was hat sich verändert durch die tröstliche und freudige Osterbotschaft?

Nicht alles und vielleicht wirklich viel zu wenig, wenn man sich vor Augen führt wie ungerecht, wie brutal und rücksichtlos es in einigen Teilen dieser Welt zugeht.
Der Auferstandene verbschiedet sich mit einem Auftrag:
Geht hinaus in die Welt. Verkriecht euch nicht in den eigenen vier Wänden. Predigt das Evangelium und fordert immer wieder zur Umkehr auf.
Auch wenn vieles im Dunkeln und finster bleibt, so sollen wir doch unser Licht leuchten lassen und immer wieder ein Licht der Hoffnung entzünden.
Das geschieht bereits dort, wo wir einander wünschen:

Friede sei mit dir! Wo wir einander ermutigen mit der Osterbotschaft.
Christus lebt. Er ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!

Amen

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