Predigt 2025
2.Kor.13, 11-13
Zuletzt, liebe Schwestern und Brüder, freut euch, lasst euch zurechtbringen, lasst euch mahnen, habt einerlei Sinn, haltet Frieden!
So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein.
Grüßt euch untereinander mit dem heiligen Kuss.
Es grüßen euch alle Heiligen.
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!
Liebe GA-Festgemeinde!
Liebe Schwestern und Brüder!
Eine Buchempfehlung für den bevorstehenden Urlaub, obwohl ich mir nicht ganz sicher bin, ob es ein Sommerbuch ist.
Was ist ein Sommerbuch? Vielleicht leichte, beschwingte, unterhaltsame Lektüre mit einem Schuss Romantik, vielleicht sogar Erotik. Vielleicht bevorzugen Sie am Strand oder im Schatten eines Baumes doch eher einen spannenden Krimi, jedenfalls Lektüre, die unsere Stimmung hebt, beflügelt, das Träumen und die Sehnsucht nach einer besseren, heileren Welt anregt. Ein Buch, das das Leben feiert.
Eine Buchempfehlung: Georgi Gospodinov: Der Gärtner und der Tod.
Im Klappentext steht: Eine Geschichte über scheidende Väter in einer scheidenden Welt.
Über diese tragischen, oft abwesenden Raucher, die sich an die Schnorchel ihrer Zigaretten klammern und in anderen Wassern und Wolken schwimmen.
Über einen Vater, der auf seinen Schultern zentnerweise Vergangenheit trug, die Schneeglöckchen in seinem Garten zählte und nie aufhörte, davon zu erzählen.
Es ist ein rührendes und berührendes Buch, das mich mehrmals zu Tränen gerührt hat.
Eine Liebeserklärung an den Vater, den Gärtner, an das Leben, das ja nichts anders ist als Umgraben, Aussäen, Pflanzen, gießen, jäten hegen, pflegen, und hoffen, dass der Samen aufgeht, die Frucht wächst und wir die Ernte unserer Bemühungen einfahren können.
Sich am Duft der Rosen, an der Schönheit der Schneeglöckchen, am Geschmack der Äpfel und an der Schöpfung zu erfreuen.
Das Leben zu feiern, wenn alle zusammenkommen, im Sommer oder an Weihnachten.
An einer Stelle im Buch erzählt der Autor von der Geburt der Tochter im Winter vor 17 Jahren.
Die Eltern, die aus dem Süden des Landes einen halben Tag und eine ganze Nacht mit dem Zug anreisen, um dieses Neugeborene zu sehen und zu begrüßen
„Meine Mutter und mein Vater standen verlegen und glücklich da, wie die Weisen aus dem Morgenland, auf der Schwelle des Kinderzimmers, mit riesiger Ehrfurcht vor dem Baby. Ich weiß nicht, ob das das richtige Wort ist, bar die Verehrung war spürbar. Und das Baby war klein wie ein Komma, heulend, mit noch nicht überstandener Gelbsucht.
Sie senkten die Köpfe und taten etwas, was ich nicht erwartet hatte – sie wollten dem Baby die Hand küssen.
In einer patriarchalen Kultur wie der bulgarischen ist es üblicherweise genau andersherum. Der Junge küsst die Hand des Alten, der Junge verbeugt sich und schuldet Achtung.
Aber siehe da, wie die Epiphanie alles umkehrt. Sie traten scheu heran, als würden sie sich vor einem Menschen verneigen, der aus einer anderen Welt gekommen ist.
Unseren Babys, unseren Kindern, einem Menschen, der das Licht der Welt erblickt Ehrfurcht und Ehrerbietung zu erweisen und die Hand zu küssen, das ist ein starkes Bild.
Einander die Hand küssen, nicht auf die Finger schlagen, Das ist ein starkes Hoffnungsbild.
Einander zärtlich berühren, die Hände reichen, und nicht die Fäuste ballen.
Den Stein in der Hand fallen lassen und dem Feind die Hand reichen.
Das ist der Hintergrund des Händeschüttelns. So habe ich es einmal gelesen. In alten Stammesgesellschaften hat sich dieser Gruß, diese Friedensgeste entwickelt.
Wenn mir jemand die offene Hand reicht, weiß ich, dass er keine Waffe in der Hand hat.
Ein Hoffnungsbild in diesen Tagen, wo ein junger Mann in beiden Händen eine Waffe hatte und so großes Unheil angerichtet hat.
Vielleicht sollten wir einander öfter die Hände küssen.
Küss die Hand!
Ja es gibt sie noch, die in der Regel älteren Herren, Gentlemen, nennen wir sie, Männer der alten Schule, Männer aus Adelskreisen, die bei der Begrüßung und beim Verabschieden den Damen die Hand küssen, wenigstens andeutungsweise.
Das ist aus der Mode gekommen. Eigentlich schade. Die Männer erweisen den Frauen Ehrerbietung, Respekt, vielleicht auch Dankbarkeit. Das stünde uns Männern doch gut an. Nicht zuschlagen, nicht runtermachen, sondern den Frauen die Hand küssen.
Einander mit Respekt, Ehrerbietung zu begegnen und dabei auch auf die Form zu achten, finde ich wichtig.
Das müssen wir lernen, einander zu Hand zu reichen, in die Augen zu schauen und eine kleine Verbeugung anzudeuten.
Lasst euch ermahnen, habt einerlei Sinn, haltet Frieden.
Grüßt euch untereinander mit dem heiligen Kuss!
Gemeint ist nicht eine Bussi-Bussi Gesellschaft der Erfolgreichen und Schönen, nein, gemeint ist das liebevolle aufeinander Zugehen.
Die Mennoniten praktizieren das in der Form, dass sich die Gottesdienstbesucher beim Begrüßen auf die Wange küssen.
Küssen, das ist eine zärtliche Geste, die im besten Fall Zuwendung, Vertrauen, freundschaftliche Verbundenheit zum Ausdruck bringt, und bei Paulus auch die Verbundenheit im Glauben.
Wir brauchen einander, wir sind aufeinander angewiesen und wir brauchen immer wieder Ermutigung, auch Ermahnung, damit der Geist Gottes, der Geist der Liebe, des Friedens und der Gemeinschaft sich nicht unterkriegen lässt von Hass, Krieg und Zerstörung.
Es ist der Geist, der uns hilft zu durchwintern, wie wir es gestern aus der Predigt von 1969 aus Lienz gehört haben.
Durchwintern meint, die harten, kalten, kargen Zeiten des Schmerzes, der Verunsicherung, Verfolgung zu überstehen.
Der Geist der Liebe, des Friedens und der Gemeinschaft hilft uns dabei, dass nach jeder Eiszeit Frühling und Sommer wird, weil Friede stärker ist als Krieg, Liebe Hass überwindet und Gemeinschaft stärker als Isolation und Spaltung
Amen
