PREDIGT - JULI
Joh.11, 20-21
Als Marta nun hörte, dass Jesus kommt, geht sie ihm entgegen. Maria aber blieb daheim sitzen.
Da sprach Marta zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich, was du bittest von Gott, das wird dir Gott geben.
Liebe Gemeinde!
Manchmal ist die Zeit der Bekenntnisse. Wenn man mit einem Menschen, den man liebt länger zusammenlebt und das Gefühl hat, ja wir gehören zusammen. Ja mit dir möchte ich durchs Leben gehen, dann kommt doch auch einmal der Augenblick, des öffentlichen Bekenntnisses. Ja, ich will dich lieben und ehren, bis dass der Tod uns scheidet.
Wir wissen, immer mehr scheuen sich vor diesem Bekenntnis. Was, wenn wir uns nach ein paar Jahren nicht mehr ausstehen können.
Es gibt auch andere Bekenntnisse.
Wenn man bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Das heißt gerade zu stehen, für das, was man tut, wovon man überzeugt ist, auch wenn es Gegenwind, auch wenn es Anfechtung und Anfeindung gibt.
Gemma schauen, gemma schauen ob der Vater zu seim Buam steht, wenn der irgenwo a Feia (Feuer) legt – singt Andre Heller in einem seiner Lieder.
Das Bekenntnis zu seinen Kindern, auch wenn sie nicht nach den eigenen Vorstellungen geraten, wenn sie Fehler machen.Wir bekennen jeden Sonntag unseren Glauben. Wie reagieren wir im Alltag? Haben wir den Mut, Nein zu sagen, den Mund aufzumachen, zu widersprechen, wenn wir das Gefühl haben, jemand missachtet die Grundregeln des Zusammenlebens, jemand ist beleidigend, chauvinistisch, frauenverachtend.
Habe ich den Mut, zu bekennen, dass mir das nicht schmeckt, nicht gefällt, oder mache ich gute Miene zum bösen Spiel.
Es gibt große Bekennervorbilder.
Menschen, die für ihren Glauben Leib und Leben riskiert haben. Unserer Vorfahren hier in Kärnten haben Haus und Hof verlassen und sind in eine ungewisse Zukunft ausgezogen.
Dietrich Bonhoeffer ist für seinen Glauben ins Gefängnis und in den Tod gegangen.
Es gibt die mutigen Bekenner, es gibt aber auch das Scheitern. Petrus ist das beste Beispiel. Einige Stunden nach dem er ganz groß versprochen hat für Jesus durch Dick und Dünn zu gehen, verleugnet er ihn dreimal, weil er Angst hat.
Wie sieht es heute mit unserem Glaubensbekenntnis aus?
Im September ist wieder Schulbeginn und es gibt eine Abmeldefrist vom RU. Erschreckend sind die wachsenden Zahlen der Abmeldungen.
Es stimmt schon: Abmeldung heißt noch nicht, dass ich mit Glauben nichts mehr am Hut habe – aber es ist trotzdem ein Signal: Nicht so wichtig, lieber Freistunde.
Mehr als die Hälfte der Bevölkerung behauptet von sich, nicht mehr an Gott zu Glauben, also atheistisch zu sein.
Maria formuliert ein eindrucksvolles Glaubensbekenntnis:
Ja Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist.
Ein Bekenntnis in einer sehr schweren Stunde. Der Bruder ist verstorben. Wäre Jesus rechtzeitig gekommen, hätte das vielleicht verhindert werden können.
Trotz Zweifel, Ängste, vielleicht auch trotz Enttäuschung und Wut, bleibt Marta ihrem Glauben an diesen Christus treu.
So ist für mich Maria in dieser Geschichte eine Frau, die zum Glauben ermutigt, die Hoffnung nicht verliert, sondern weiterhin voll Zuversicht bekennt: Gott hört unser Bitten und unsere Gebete sind nicht umsonst.
Jesus selber verheißt in der Bergpredigt: Wer bittet, der empfängt und wer anklopft, dem wird aufgetan.
Mit Mut und Freude unseren Glauben bekennen und darauf vertrauen, das Gott mit uns geht und uns immer wieder mit seinem Geist aufrichtet und beflügelt.
Amen
